Wie finde ich den perfekten Hundetrainer für mich?

Ich habe mich beim folgenden Text dafür entschieden nicht zu gendern, da der Lesefluss sonst stark darunter gelitten hätte. Schreibe ich in der männlichen Form, meine ich selbstverständlich auch immer die Weibliche

Hundetrainer gibt es viele – alle versprechen gut zu sein, doch nicht alle sind es auch.

Und selbst von den guten, ist nicht jeder Trainer passend für dich.

Denn gutes Hundetraining ist nicht nur eine Frage der Technik - gutes Hundetraining ist letztendlich eine Frage der Motivation und des Gefühls, das du dabei hast.

Bevor das Training anfängt

1. Welche Qualifikationen hat der Trainer?

Hundetrainer ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Das bedeutet jeder darf sich Hundetrainer nennen, auch wenn er gar keine entsprechende Ausbildung und/oder Fortbildungen besucht hat.
Seriöse Trainer sind deshalb meistens Teil eines Trainer-Netzwerks oder haben eine Prüfung an einer offiziellen Stelle abgelegt, die die Fähigkeiten des Trainers garantieren.
In Österreich solltest du deshalb auf das Gütesiegel „Tierschutzqualifizierter Hundetrainer“ achten.
Auch Mitglieder folgender Verbände stehen für moderne, gewaltfreie Trainingsmethoden:
Trainieren statt Dominieren, VÖHT, PDTE, IBH.

2. Was passiert im Training wenn der Hund erwünschtes Verhalten zeigt?

Zeigt dein Hund erwünschtes Verhalten, muss es verstärkt (belohnt) werden, damit es öfter gezeigt wird.
Dein Trainer sollte den Verstärker (Belohnung) so wählen, dass es die Bedürfnisse deines Hundes, in der jeweiligen Situation, befriedigt. Das ist nicht immer nur Lob oder Futter, sondern kann z.B. auch Abstand zu fremden Hunden sein.
Dein Trainer sollte dir erklären können, was in seinem Trainingsaufbau das erwünschte Verhalten deines Hundes verstärkt und warum genau dieser Verstärker der Richtige ist.

3. Was passiert, wenn der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt?

 

Du hast bestimmt auch schon davon gehört, dass dein Hund ja auch lernen muss was er NICHT tun darf. Tatsächlich ist es aber so, dass Korrekturen im Training gar nicht nötig sind.

Korrekturen stressen nicht nur deinen Hund und sind in vielen Fällen nach unserem Tierschutzgesetz verboten, sondern du verlierst dadurch auch viele Informationen über den emotionalen Zustand deines Hundes. Im schlimmsten Fall führen zu viele Korrekturen/Strafen dazu, dass dein Hund sich gar nicht mehr traut irgendein Verhalten zu zeigen. Diesen Zustand nennt man erlernte Hilflosigkeit und scheint vergleichbar mit dem menschlichen Krankheitsbild einer Depression zu sein.

 

 

Zeigt dein Hund im Training unerwünschtes Verhalten, sollte dein Trainer den Trainingsdurchgang abbrechen und den nächsten Durchgang so gestalten, dass dein Hund das unerwünschte Verhalten nicht mehr zeigen kann.
Außerdem sollte er dir Notfallmaßnahmen zeigen, wie du Situationen im Alltag, in denen dein Hund sich unerwünscht verhält, möglichst stressfrei beenden kannst.

4.Will der Trainer das Problemverhalten sehen, um es beurteilen zu können?

Erkläre deinem Trainer was genau deine derzeitigen Probleme sind und frage im Anschluss, ob dein Trainer während des Trainings genau dieses Problemverhalten sehen möchte.
Gerade bei Aggressions- und Angstverhalten kann es für das weitere Training hinderlich sein, wenn der Trainer die Reaktion des Hundes in Extremsituationen sehen will.
Gestresste Hunde lernen nämlich nicht besonders gut – das heißt nicht nur fühlt sich dein Hund während dem Training nicht wohl, du brauchst auch mehr Trainingseinheiten.

Gute Trainer können bereits an leichten Konfliktsignalen (Züngeln, Gähnen, Kopf wegdrehen) erkennen wie dein Hund reagieren würde, wäre er näher am Stressauslöser und gestaltet das Training so, dass der Hund erfolgreich erwünschtes Verhalten zeigen wird.

Bei Tricks wie Pfote geben, aber auch bei Fuß laufen ist es aus ethischer Sicht kein Problem, wenn dein Trainer die Fehler sehen will, die sich eingeschlichen haben.
Aber auch hier gilt: je öfter dein Hund Gelegenheit bekommt, das unerwünschte Verhalten zu zeigen, desto besser kann er genau dieses Verhalten üben.

Deshalb sollte dein Trainer entsprechend vorbereitet sein für eure erste Trainingseinheit. Manche Trainer geben dir dafür ein Formular zum Ausfüllen, andere bevorzugen ein Vorgespräch am Telefon oder per E-Mail.

Das ist besonders wichtig bei Angst- und Aggressionsproblemen.

5. Auf was ist dein Hundetrainer spezialisiert?

Hundetraining ist nicht gleich Hundetraining. Ähnlich wie beispielsweise Ärzte kann kein Hundetrainer alle Bereiche abdecken.
Ein Trainer für Hundesport ist möglicherweise nicht der richtige bei Verhaltensproblemen wie Angstverhalten.

Such dir einen Trainer, der auf deine Wünsche und Herausforderungen spezialisiert ist.

6. Welches Equipment soll im Training verwendet werden?

Das richtige Equipment unterstützt dich und deinen Hund beim Training – es übernimmt das Training aber nicht für dich. Im Training ist meist ein gut sitzendes Brustgeschirr die beste Option – wieso erfährst du hier.

 

Ein absolutes No-Go ist es, wenn dein Trainer verbotenes aversives Equipment (Würgehalsbänder, Stachelhalsbänder, Elektro-Halsbänder) empfiehlt.

Im Laufe des Trainings

Viele von diesen Fragen kannst du auch im Laufe des Trainings stellen und solltest es auch tun, wenn dir etwas unklar ist oder wenn du ein schlechtes Gefühl dabei hast.

Auch nur wenn ihr bereits zusammenarbeitet, werdet ihr sehen ob die Beziehung zwischen euch passt. Dein Trainer kann noch so kompetent sein, wenn ihr nicht harmoniert, ist er nicht der richtige Trainer für dich!


Beantworte außerdem diese Fragen für dich:

 

  1. Geht dein Hund gerne zum Training?
  2. Fühlst du dich wohl mit den Trainingsmethoden.
    Wenn nicht: kann dein Trainer dir einen alternativen Trainingsweg anbieten?
  3. Ist dir dein Trainer sympathisch?

 

Und weil diese Drei die wichtigsten Fragen sind, solltest du dir einen anderen Trainer/ suchen, wenn du nur eine davon mit NEIN beantwortet hast.

 

Denn, dein Trainer muss dir und deinem Hund ein gutes Gefühl im Training geben, damit ihr motiviert mitarbeiten könnt.
Bist du sehr angespannt im Training, oder gibt dir dein Trainer gar das Gefühl ein Versager zu sein, schlägt sich das nicht nur auf deine Motivation das Training durchzuziehen nieder, es beeinflusst auch deinen Hund.
Dein Hund merkt nämlich ganz genau, ob du etwas gerne machst, oder du es nur machst, weil dein Trainer/deine Trainerin es dir so vorschreibt.
Und glaub mir, dein Hund arbeitet viel besser und lieber mit, wenn er merkt, dass du überzeugt bist von dem, was du tust.

 

Wenn es also irgendetwas gibt, dass dich am Training stört, Aufgaben, die du so nicht umsetzen willst oder deren Sinn du nicht verstehst: Frag nach! Bitte um eine Alternative!

 

Für jede Trainingsaufgabe gibt es hunderte Trainingswege.
Und mindestens einen, mit dem du und dein Hund sich wohl fühlen.
Aufgabe deines Trainers ist es, diesen für dich und deinen Hund zu finden.

 

 

Schafft er das nicht, ist es deine Aufgabe, einen Trainer zu finden, der das kann!