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So findest du die passende Leine für deinen Hund

Leinen sind vermutlich ein Teil deines Hundezubehörs, an das du bisher noch nicht allzu viele Gedanken verschwendet hast, aber glaub mir, Leinen können ganz unterschiedliche Zwecke erfüllen.

Dieser Beitrag wird dir helfen die passende Leine für dich und deinen Hund zu finden, angepasst an eure Aktivitäten und Bedürfnisse.

Wir unterscheiden und erklären dir folgende Leinentypen:

  • kurze Leinen (unter 1,5 Meter)
  • normale Leinen (1,5-3 Meter)
  • Flexi®-Leinen (meist ca. 5 Meter lang)
  •  Schleppleinen (ab 5 Metern)

Leinentypen

Es gibt so viele Varianten auf dem Markt, dass du deinen Favoriten auswählen kannst. Neben der Länge solltest du auch die folgenden Punkte beachten:

  •  Material: Biothane, Nylon, Leder
  •  Beschaffenheit: wenn du möchtest, dass dein Hund die Leine hinter sich herschleppt, solltest du eine Leine wählen die keine Ringe, Knoten oder Schlaufen hat. So kann die Leine nirgends hängen bleiben)
  • Verstellbarkeit: Die meisten 2-3m Leinen können in ihrer Länge verstellt werden, was sie perfekt für die Stadt macht)
  • Griff: du brauchst keinen Griff, wenn dein Hund die Leine hinter sich herschleppt. Ist dein Hund allerdings reaktiv, brauchst du einen Griff an der Leine, an dem du deinen Hund gut sichern kannst.
  • Reaktion auf Nässe: Biothane Leinen sind Wasserfest, saugen kein Wasser auf und sind leicht zu reinigen. Sie werden allerdings bei Nässe sehr rutschig.
    Leder und Nylon Leinen sind auch bei Nässe noch gut zu halten, dafür werden sie sehr schwer. Leder wird instabil, wenn es zu oft im Wasser ist.

Wähle die passende Länge

Kurze Leinen (weniger als 1,5 Meter): nur in Ausnahmefällen geeignet

Diese Länge ist unpassend, um damit spazieren zu gehen. Hast du einen kleinen Hund, ist die Wahrscheinlichkeit, dass dein Hund permanent zieht sehr groß, denn zwischen deinem Hund und deiner Hand ist bereits fast ein Meter Abstand. Dadurch ist kaum genug Leinenlänge übrig, damit dein Hund daran an lockerer Leine gehen kann. Das führt zwangsläufig zu Frustration – sowohl bei dir, als auch deinem Hund.
Und selbst wenn du einen großen Hund hast, wird dieser an so kurzer Leine kaum schnüffeln können.

  

Dafür sind kurze Leinen gut als Hausleinen geeignet die permanent an deinem Hund befestigt ist, wenn du extra Sicherheit brauchst, während dein Hund noch im Training ist.
Hausleinen sind beispielsweise sehr praktisch, wenn dein Hund noch nicht stubenrein ist. So kannst du ihn schnell nach draußen führen und ein Unglück drinnen verhindern.

Vergleich: Kurze Leine an kleinem und großem Hund.
Großer und kleiner Hund an kurzer Leine

Normale Leinen (2-3 Meter): perfekt für die Stadt

Bist du viel in der Großstadt unterwegs mit deinem Hund, ist eine verstellbare 2-3m lange Leine eine gute Wahl. 2-3 Meter bieten deinem Hund genug Freiraum zum Schnüffeln und um Passanten auszuweichen. Außerdem kannst du diese Leinen oft auf 1-1,5 Meter kürzen, wenn die Straßen sehr belebt sind, oder du öffentliche Verkehrsmittel benutzt. Bedenke aber, dass du deinem Hund beibringen musst, sich nahe bei dir zu bewegen, wenn du die Leine kürzer machst.

Sobald ihr in einen Park kommt freut sich dein Hund, wenn du zu einer 5 Meter oder längeren Leine wechselst (oder du bringst ihm einen zuverlässigen Rückruf bei und lässt ihn frei laufen).

Schleppleinen (normalerweise 5-20 Meter): perfekt für Spaziergänge und Training

Schleppleine kann deinem Hund Freiheiten bieten.

Schleppleinen sind super, um deinem Hund möglichst viel Freiraum zu lassen und ihn trotzdem zu sichern.

  • Auf Spaziergängen (wenn dein Hund nicht abgeleint sein darf/kann)
  • Für Nasenarbeit
  • Während Wildtiere Junge haben (Brut- und Setzzeit)
  • Während dem Training

Der Umgang mit Schleppleinen ist nicht schwer, dennoch gibt es einiges zu beachten:
Denn bei unsachgemäßem Gebrauch kannst du mit einer Schleppleine sowohl dich, deinen Hund als auch auch andere verletzen.

 

Schleppleinen sollten IMMER an einem gut sitzenden Brustgeschirr verwendet werden. Je länger die Leine, desto mehr kann dein Hund beschleunigen. Das bedeutet, dass sobald dein Hund das Ende der Leine erreicht, seine hohe Geschwindigkeit abrupt abgebremst wird. Dabei werden starke Kräfte frei.
Diese Kräfte sollten auf möglichst großer Fläche verteilt werden – verwende ein Brustgeschirr - sonst riskierst du schwere Verletzungen an der Wirbelsäule deines Hundes.

Tipps wie du deine eigene Wirbelsäule schützt, findest du in unserem Blog Beitrag über ziehende Hunde.

 

Schleppleinen können Verbrennungen verursachen. Verwende Handschuhe, um deine Hände zu schützen und um die Leinen besser greifen zu können (z.B. gummierte Fahrradhandschuhe).

Du solltest Schleppleinen auf diese beiden Arten verwenden:

 

Hinter dem Hund schleppend:

  • So kann sich dein Hund frei bewegen und du hast mehr Zeit die Leine wieder in die Hand zu nehmen, oder auf die Leine zu steigen.
  • Wähle eine Leine, die keine extra Ringe, Knoten oder Handschlaufen hat, die irgendwo hängenbleiben können. Besonders gut eignen sich dafür Biothane-Leinen.
  • Wenn du jemandem auf eurem Spaziergang begegnest, solltest du die Leine in die Hand nehmen. Auf Schleppleinen kann man leicht ausrutschen, sie können sich um Fußgelenke wickeln oder man kann darüber stolpern.

Aufgewickelt in den Händen:

  • Du hältst den aufgerollten Teil der Leine in einer Hand und steuerst mit der anderen Hand die Länge der Leine. Verwende immer beide Hände!
    Bist du dir unsicher, kannst du das Leinenhandling auch erst ohne Hund üben. Binde sie einfach an eine Freundin/einen Freund und übe das auf und abwickeln der Leine.
    Sollte sich keiner deiner Freunde als Versuchskaninchen zur Verfügung stellen, kannst du die Leine auch an einen Stuhl binden und so üben.
  • Die Leine sollte locker zwischen dir und deinem Hund hängen. Dazu musst du die Leinenlänge jeder Bewegung deines Hundes anpassen
  • Diese Art des Leinenhandlings erfordert, dass du dich voll auf deinen Hund konzentrierst und ihr wirklich gemeinsam spazieren geht. Der Vorteil ist, dass du jede Verhaltensänderung deines Hundes sofort bemerkst und rechtzeitig reagieren kannst.
  •  Hast du die Schleppleine in der Hand, kannst du auch eine Leine mit Handschlaufe verwenden, oder einen Knoten in die letzten Zentimeter der Leine binden, damit dir die Leine nicht so leicht aus der Hand rutschen kann.
Schleppleinenhandling
So werden Schleppleinen sicher benutzt.

Flexi®-Leinen: sind den Aufwand nicht wert

Gleich vorweg: theoretisch sind Dinge an sich weder gut noch schlecht, es ist die Art wie wir sie verwenden. Aber wenn es um Flexi® -Leinen geht, ist der Trainingsaufwand, den du aufbringen musst, um sie richtig zu verwenden, die Zeit nicht unbedingt wert.

 

Lass uns deshalb mit den Nachteilen anfangen:

  • der Griff ist schwer und das Geräusch, dass er macht, wenn er runter fällt kann Hunde irritieren. Nicht erst ein Hund hat sich davor so erschreckt, dass er flüchtete, den Griff laut polternd hinter sich herzog und er deshalb immer weiter weg lief.
  •  Sie verleiten den Hundehalter nicht genau auf ihren Hund zu achten. Dabei kann es leicht passieren, dass unangenehme Situationen nicht rechtzeitig erkannt werden.
  •  Auch andere Menschen können nicht einschätzen, wie lang die Leine sein wird und weniger gut ausweichen
  •  Flexi®-Leinen können nur schwer mit zwei Händen gehalten werden, was besonders bei starken, reaktiven Hunden wichtig wäre, um diese zu sichern.
  • Der Stoppmechanismus stoppt völlig unvermittelt. Viele Hunde reagieren deshalb gestresst auf das Stopp-Geräusch.
  •  Um die Leine zu kürzen muss der Stopp Mechanismus erst gelöst werden, um den Hund dann immer weiter zu einem zu ziehen. Diese Angelbewegung kann sehr unangenehm sein. Um das zu vermeiden, sollte dein Hund einen guten Rückruf beherrschen, damit du ihn zu dir rufen kannst.
  • Flexi®-Leinen sind ziemlich scharf und können zu schweren Verletzungen an andren Hunden oder Menschen führen.
  • Der Stoppmechanismus IM Gehäuse kann kaputt gehen ohne dass du es siehst. Passiert das, hast du keine andere Möglichkeit deinen Hund zu stoppen (die scharfe Leine mit der Hand zu greifen ist keine Option). Und auch fallen lassen geht nicht, weil sich der Griff dann in ein gefährliches Geschoss verwandeln kann oder dein Hund sich, wie oben beschrieben, erschreckt.
  • Hundebegegnungen führen an Flexi®-Leinen leicht zu Chaos, weil sich die Leinen verwirren und verknoten. Das kann Hunde in ihrem Verhalten so einschränken, dass es zu einer (vermeidbaren) Auseinandersetzung kommt.

Dennoch können Flexi®-Leinen die beste Wahl sein. Ein Vorteil kann sein, dass du nur eine Hand brauchst, um sie zu benutzen (im Gegensatz zu Schleppleinen), was für Menschen mit Handicap ein Vorteil sein kann.

 

Solltest du dich dazu entscheiden eine Flexi®-Leine zu benutzen, bedenke bitte:

  • Flexi®-Leinen immer an einem Brustgeschirr nutzen.
  • Probiere wie du die Leine stoppst und entstoppst bevor du sie an deinem Hund verwendest.
  • Für Trainings-Fans: konditioniere das Click-Geräusch beim Stoppen als Aufmerksamkeitssignal. So wird dein Hund nicht herumgerissen und er erschreckt sich nicht. 

Eine Anmerkung zu Retrieverleinen:

Retrieverleinen, auch bekannt als Moxxonleinen sind NICHT für den privaten Gebrauch gedacht.
Sie sind ein Werkzeug für Jäger, die ihre Hunde möglichst schnell ableinen müssen und deren Hunde „nackt“ auf die Jagd gehen, damit sie nicht irgendwo im Unterholz hängen bleiben.
Außerdem, wenn du diese Leinen genau betrachtest, sind sie oft Würgehalsbänder. Und selbst mit „Stopp“ sind diese Leinen viel zu dünn um als Halsband im Alltag verwendet zu werden.

 

Mehr dazu wie du das perfekte Halsband für deinen Hund aussuchst, findest du hier.

Leinen für Mehrhundehalter:

Für Mehrhundehalter gibt es verschiedenste Modelle, bei denen du alle deine Hunde an einer einzigen Leine anhängen kannst. Diese Leinen sind nicht empfehlenswert.

 

Deine Hunde haben zu wenig Bewegungsfreiraum und können Konflikten untereinander nicht aus dem Weg gehen. Zieht ein Hund in eine Richtung zieht er gleichzeitig an den anderen Hunden und auch du hast keine Möglichkeit auf deine Hunde individuell einzugehen.
Besser ist, du verwendest für jeden deiner Hunde eine eigene Leine. 

Fazit

Leinen müssen deinen Hund nicht einschränken. Im Gegenteil: Die richtige Leine bietet nicht nur dir Sicherheit, sondern gibt deinem Hund genug Freiraum völlig Hund zu sein. 
Dieses Zitat von Ulli Reichmann bringt es auf den Punkt:

"Die Leine ist eine greifbare Verbindung
zwischen Mensch und Hund

- wenn sie richtig eingestzt wird"


In den folgenden Blog-Beiträgen kannst du übrigens noch mehr über das richtige Equipment für deinen Hund erfahren:

Diese Beiträge sind in Zusammenarbeit mit Kutyaegyetem / The Dog Nerd entstanden.